
Im Schatten des Barack O.
Montag, 04.05.2009 | Maik BohneDer Wahlkampf ist eröffnet. Das sieht man in Deutschland immer dann, wenn die ersten Plakate an den Ausfallstraßen hängen. Die SPD macht den plakatierenden Anfang. Interessanterweise startet sie mit einem harschen, wenn auch humorvollen Kontrastwahlkampf, der bisher für allerlei Rauschen im Blätterwald gesorgt hat.
Hört man allerdings den Wahlkampfplanern der Parteien genau zu, dann wird diese Wahlkampfsaison nicht mehr von Plakaten dominiert sein, sondern von einem professionellen Dialogwahlkampf. Alle Verantwortlichen bezeichnen insbesondere das Internet unisono als „Herzstück“ ihrer Kampagnen. Viel wurde und wird dabei in die USA geschaut. Eine Frage stellt sich sogleich: Was kann man vom Land der professionellen Wahlkampfführung lernen?
1. Aus einem Guss
In einer immer fragmentierter werdenden Medienumwelt kommt es darauf an, kein Medium mehr getrennt voneinander zu betrachten, sondern einen Wahlkampf aus einem Guss zu machen, der – zusammengehalten von einer klaren Dachbotschaft – über alle Kanäle hinweg kongruent und vernetzt geführt wird. Crossmedialität ist hier das Stichwort.
Das Potenzial des Internets ist groß, allerdings kann es dieses nicht ohne die Flankierung von klassischen Kampagnenmaßnahmen und Werbemitteln abrufen. Diese These bestätigt auch eine neue Studie der Initiative ProDialog, die herausfand, dass sich die Deutschen weiterhin sehr klassisch über Politik informieren und über traditionelle Wege des Dialogs angesprochen werden wollen. Um es auf den Punkt zu bringen: Brief und persönliches Gespräch schlagen immer noch E-Mail, YouTube oder Twitter.
2. In der Realität
Es wäre es deshalb sicherlich ein großer Fehler, das Internet als eine abgeschlossene Kampagnenwelt zu betrachten. Barack Obamas Team hatte ein unumstößliches Mantra, wenn es um Online Campaigning ging. Das hieß: Make It Real! Die beste virtuelle Energie bringt nichts, wenn sie nicht auf die Straße, an den Küchentisch oder in den Briefkasten kommt.
Deswegen müssen auch die Parteien in Deutschland darauf achten, ihre Internetauftritte als Kampagnenplattformen zu benutzen, die Freiwilligen klare Aktionen und Instrumente an die Hand geben, um im wahren Wahlkampfleben aktiv zu werden. Natürlich ist es lobenswert, das Wahlprogramm offen im Netz diskutieren zu lassen, Chaträume oder Facebook-Seiten für interessierte Wähler anzubieten. Jede Online-Aktion sollte aber auf ihren Mehrwert für die reale Wahlkampfwelt getestet werden, denn nur in der Realität wird nun einmal gewählt.
3. Nah dran
Eines können Dialoginstrumente sicher bieten. Sie führen Politiker und Bürger wieder näher zusammen, weil sie Medien sind, die Distanzen abbauen. Näher dran zu sein - den viel zitierten Zwischenhändler auszuschalten -, heißt aber auch, dass in Zukunft eine neue Form der Transparenz und Authentizität von Politikern und Parteien eingefordert wird. Das Spin Doctoring, definiert als hierarchisches Steuern von Image und Botschaft, wird zusehends an Relevanz verlieren. Immer stärker wird es hingegen darauf ankommen, Glaubwürdigkeit auszustrahlen, indem man Wähler direkt an seinen Ideen und an seinem Politikerleben teilhaben lässt. Persönlich zu sein heißt hier allerdings nicht, allzu privat zu werden. Das könnte lächerlich und distanzlos wirken.
Wir werden sehen, wie sich die Parteien und ihre Spitzenkandidaten auf diesen drei Feldern bewegen werden. Es wird auf jeden Fall spannend!
Herzlich willkommen beim wahlkampfblog09!
Freitag, 24.04.2009 | Kerstin PlehweHerzlich willkommen auf dem wahlkampfblog09! Es wird spannend in diesem Superwahljahr. Das ist sicher. Auch wenn einige Autoren die Politik bereits auffordern, in diesem von der Wirtschaftskrise gekennzeichneten Jahr auf Kampagnen zu verzichten, so bringen sich die Parteien bereits eifrig in Stellung, um die Menschen im Lande von ihren Inhalten und Personen zu überzeugen. Diese Tätigkeit wird landläufig als Wahlkampf bezeichnet, und sie ist wichtig, denn sie ist die Zeit, in der Politik grundlegender als sonst erklärt wird, in der Bürger animiert werden, sich intensiver als sonst mit Politik und ihren realen Konsequenzen auseinanderzusetzen.
Viel wird im Jahr nach dem fulminanten Wahlsieg Barack Obamas, den wir 2008 sehr intensiv begleitet haben, darüber diskutiert, wie man die Strategien und Methoden aus den USA auf die deutsche Politlandschaft übertragen kann. Auch wenn es illusorisch ist, Wahlkampf eins zu eins aus Amerika nach Europa zu übersetzen, so muss an dieser Stelle doch eines festgehalten werden. Der Dialog ist zum neuen Paradigma der politischen Kommunikation geworden. Dialog in all seinen virtuellen und realen Facetten ist auch das zentrale Thema des wahlkampfblog09. Wir wollen zusammen mit unseren Gastautoren genau hinschauen, wenn die Parteien in Dialog mit den Bürgern treten – sei es über Brief und Telefon, im persönlichen Gespräch oder über das Internet.
Das wahlkampfblog09 möchte sich aber nicht nur auf die Analyse der Wahlkampflandschaft in Deutschland beschränken. Wir verstehen uns als Trendscout, der immer wieder den Blick über den deutschen Tellerrand wagt. Spannende Wahlkämpfe finden in diesem Jahr auch in Indonesien, Japan, Mexiko oder Norwegen statt – oder, wie gerade gesehen, in Südafrika. Überall dort, wo wir innovative Dialogkampagnen aufspüren können, werden wir sie analysieren und anschließend in die deutsche Debatte einführen. Nun aber viel Spaß mit dem wahlkampfblog09!


