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Dialog wird wichtiger!

Pfeil Dienstag, 29.09.2009 | Kerstin Plehwe

Das Superwahljahr ist zu Ende, die Bundestagswahl vorbei. Der Wahlkampf war sicherlich nicht der hitzigste, intensivste und spannendste, den die Bundesrepublik gesehen hat. Aus Sicht von Kommunikationsexperten lässt sich aber konstatieren: So viel Dialog wie in diesem Jahr war nie. Die Parteien haben so konsequent wie nie zuvor auf Dialoginstrumente gesetzt. Die Zahl der versendeten Direct Mailings stieg deutlich, die Internetauftritte der Parteien waren “state of the art”, auch setzten mehr Politiker auf Hausbesuche.

Was dem Dialogwahlkampf jedoch fehlte, war die Intensität, die wir aus den USA kennen. Da die beiden großen Parteien zusammen in einer Großen Koalition regierten, fehlte die ansonsten deutlich stärker zu spürende Polarisierung, die gerade in der heißen Phase des Wahlkampfes menschen mobilisiert. Ohne Reibung zwischen zwei klaren Alternativen scheint es schwer zu sein, Menschen aktiv in den Wahlkampf zu involvieren.

Mit einer schwarz-gelben Koalition wird nun sicher mehr Musik in der Politik sein. Die Unterscheide zwischen den Lagern werden sicher wieder deutlicher werden. Das könnte in Zukunft wieder zu belebteren Wahlkämpfen führen und den Dialog intensivieren! Die Instrumente stehen bereit.

Linie

Endspurt zur Europawahl

Pfeil Freitag, 05.06.2009 | Kerstin Plehwe

Viel hat man bisher nicht mibekommen vom Europawahlkampf. Die Parteien haben sich sichtlich zurückgehalten. Sie verstehen die Wahlen zum Europäischen Parlament offensichtlich als Warm-Up zur Bundestagswahl im September.

Kurz vor dem Wahltag kommt nun aber noch einmal Schwung in den Wahlkampf. Parteien und Wählermobilisierungsiniativen wie die EuroWahlgang 09 sind verstärkt dazu übergegangen, die Bürger direkt zu erreichen - per Post, im persönlichen Gespräch oder per E-Mail. Die kreativste Idee hier in Berlin begegnete mir in der S-Bahn. Von den Festhalte-Stangen baumelten mir Werbehänger mit dem Slogan “Nicht hängen lassen - wäheln gehen!” entgegen. Eine Mobilisierungs-Ketten-E-Mail von votematch.eu rief mich wiederum auf, die Wahlbeteiligung über die symbolische Marke von 50 Prozent zu hieven. Die netten Freiwilligen aller großen Parteien wollten mich mit Brezeln und Kaffee ködern. Eine Wahlkampfzeitung der SPD lukte aus dem Breifkasten.

Direkte Wahlkampfkommunikation live und in Farbe. Wollen wir hoffen, dass sie substantiell dazu beitragen kann, dass die Wahlbeteiligung auf Europaebene nicht noch weiter absinkt. Experten rechnen mit einer Wahlbeteiligung, die noch unter der historischen Tiefmarke (45,5%) von 2004 liegen könnte…

Die EU geht zumindest in die Offensive. Kommissionpräsident Manuel Barroso schrieb in einem Gastbeitrag für das Hamburger Abendblatt, dass diese Wahl “wichtiger sei als je zuvor” - insbesondere vor dem Hintergrund der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Europa ist in der Tat wichtig. Wählen auch. An die Urnen, fertig, los!