
Merkel im Dialog
Freitag, 15.05.2009 | Kerstin PlehweWährend die Politstrategen von CDU und SPD noch intensiv darüber diskutieren, wie viele TV-Duelle in dieser Wahlkampfsaison stattfinden werden, tritt Angela Merkel schon jetzt in die mediale Wahlkampfarena ein. Der private Fernsehsender RTL hat am 17. Mai zum Town Hall Meeting geladen, in dessen Rahmen 100 ausgewählte Bürger wie Du und ich Fragen an die Kanzlerin stellen können.
Viel Raum für einen intensiven Dialog wird kaum bleiben. Im Interview schließt Moderator Peter Kloeppel zwar nicht aus, dass „Funken sprühen“ werden. Bekanntermaßen – das zeigt das Beispiel USA – sind diese medialen Politikerfragestunden aber sehr orchestierte Veranstaltungen, auf denen ausgewählte Bürger kurze Fragen stellen, die im Vorfeld eng mit dem Sender abgestimmt sind. Es wird deshalb spannend zu beobachten sein, wie viel Raum für Spontaneität und echten Dialog gelassen wird.
Abseits der Formatdiskussionen bleibt die Frage, was Merkels Gegenkandidaten von dem Soloauftritt der Kanzlerin halten. Frank-Walter Steinmeier hat sich noch nicht geäußert, Guido Westerwelle hingegen bezeichnete die ganze TV-Duellierung kürzlich in der FAZ bereits als „Posse“ und „Farce“. Der Wahlkampf hat begonnen…
Update: Es war ein launiger Abend mit der Kanzlerin, die die Fragen der Bürger mit Esprit und Charme beantwortete. Natürlich wird Merkel nie ein Obama sein. Das muss sie auch nicht, denn sie fand ihre eigene, authentische Weise, Politik im Einzelgespräch zu erklären und dabei analytisch und persönlich zugleich zu agieren. Das kam offensichtlich gut an. Gut war auch: Die Moderatoren Peter Klöppel und Maria Gresz hielten sich bewusst im Hintergrund, um dem Dialog so viel Raum wie möglich innerhalb dieses sehr dicht arrangierten Formats zu lassen.
Der Tiefenblick ins Social Web
Montag, 11.05.2009 | Maik BohneSocial Media – das ist das große Thema in diesen internetverrückten Wahlkampfzeiten, in den Guido Westerwelle gruschelt, Frank-Walter Steinmeier twittert und Angela Merkel podcastet. Im Kern firmiert der Begriff als Schlagwort für alle möglichen Formen der sozialen Vernetzung im Internet wie z.B. über Weblogs, auf Twitter oder in Social Networks à la Facebook.
Social Media steht aber nicht nur für die neuen (Mitmach-)Möglichkeiten des WorldWideWeb. Es bedeutet auch eine neue Stufe der Fragmentierung unserer Medienlandschaft, die sich im sog. long tail immer kleinteiligere Nischen des Dialogs sucht. Umso wichtiger ist es zu Wahlkampfzeiten, den Überblick über die politischen Seiten und Statusmeldungen der Parteien zu behalten. Hier kommt das Social Media Monitoring ins Spiel, das mithilfe neuester Technik einen kühlen Kopf im Dickicht des Hyperkommunizierens behält.
War das Social Media Monitoring zu Zeiten des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA noch wenig ausgereift, so sind in Deutschland in diesem Superwahljahr gleich mehrere Agenturen und Programmierer an den Start gegangen, um einem breiteren Publikum einen analytischen Überblick über die Netzaktivitäten der Politiker zu geben.
Zunächst ist hier der Wahl-im-Web-Monitor der PR-Agentur Weber Shandwick zu nennen, der gut aufbereitete Daten über die deutsche Social-Media-Landschaft liefert, aber auch die politischen Top-Themen im Web analysiert. Portal der „ersten Stunde“ ist wahl.de von Compuccino, das die Aktivitäten deutscher Parteien seit einigen Monaten quantitativ erfasst. Sein Gimmick: Es adelt die erfolgreichsten Twitterer und beliebtesten Netzwerker unter den deutschen Politikern als „Big Mover“ und „Big Shaker“.
Neu dazugekommen ist nun wahlradar.de - konzipiert von der PR-Agentur Publicis Consultants und von Linkfluence. Das Schöne an diesem Tool: Es visualisiert die Verknüpfungen politischer Webseiten in Deutschland (s. Bild). Allerdings beschränkt es sich auf die Analyse der Blogosphäre, die bekanntlich hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt und dort einfach nicht richtig herauswachsen möchte. Dennoch ist wahlradar.de eine gute Ergänzung zu den oben genannten Instrumenten.

Mein Tipp: Wer den Überblick über das immer lauter werdende Gezwitscher und Gegruschel deutscher Politiker behalten möchte, der nutzt die neuen Möglichkeiten des Social Media Monitoring. Geht schnell, ist einfach!


