
Kontrolle gegen Offenheit
Mittwoch, 24.06.2009 | Maik BohneSeit mehr als einer Woche begleiten wir alle nun schon den emotionalen Kampf der Opposition gegen das iranische Mullah-Regime. Dieser Kampf wird nicht nur auf den Straßen der iranischen Städte geführt, sondern auch in den komplexen Weiten des Internets, die selbst ein totalitär ausgerichteter Staat wie der Iran nicht komplett kontrollieren kann. Ein digitales Katz- und Maus-Spiel hat begonnen zwischen der konservativen Regierung und der - zumeist jungen, urbanen und gebildeten - Internetgeneration, die seit Jahren zu den intensivsten Web 2.0-Nutzern weltweit gehört.
Die beruhigende Botschaft in all den schlimmen Nachrichten der letzten Zeit ist: Das Internet kann nicht komplett kontrolliert werden. Auch wenn das Regime raffinierte Methoden der Zensur entwickelt hat, wenn es die Interverbindungen zum Teil blockiert, wenn es Facebook oder YouTube auf ein Mindestmaß an Traffic reduziert, so gibt es mittlerweile zum Glück effektive Mittel und Wege, digitale Botschaften an die Außenwelt zu senden.
Dieses Cyberduell - wie es die New York Times kürzlich nannte - hat bis jetzt einen Sieger: die Meinungsfreiheit. Allerdings beginnen hier die Probleme. Nachrichtensender und -agenturen, die Arbeitsverbot erteilt bekommen haben, sind zurzeit auf die Rohmaterialien der Bürgerjournalisten angewiesen. Selten gibt es jedoch die Möglichkeit, Quellen zu identifizieren und Bilder zu verifizieren. Auch wenn man den Protestlern positiv gegenübersteht, so sollte man doch immer inne halten und die Nachrichten kritisch betrachten, die ungefiltert nach außen dringen.
Grundsätzlich lässt sich der Kampf um die kommunikative Deutungshoheit im Iran auf zwei ganz zentrale Fragen unserer neuen Medienwelt herunterbrechen: Wie viel Kontrolle von Botschaften ist möglich und nötig? Wie viel Offenheit von Kommunikation ist wichtig und verträglich? Eines ist sicher: Die Schleusenwärter des Medialen werden den Fluss von Informationen immer weniger steuern können.
Irans Kandidaten auf Facebook
Freitag, 22.05.2009 | Maik BohneHeute fiel der offizielle Startschuss für den Präsidentschaftswahlkampf im Iran. Vier Kandidaten sind offiziell vom Wächterrat zugelassen worden. Nachdem der mächtigste Mann im Staate, Ayatollah Ali Chamenei, sich in den vergangenen Tagen mehrfach für den amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ausgesprochen hat, ist der Ausgang der Wahlen zwar ein Stück weit vorweggenommen worden. Dennoch versuchen die drei anderen Bewerber alle Kanäle zu nutzen, um für sich Werbung zu machen und in den Dialog mit den Menschen im Land zu kommen.
Wie der Daily Telegraph kürzlich berichtete haben sie dazu nun auch das Social Web entdeckt. Die Unterstützer von Ahmadinedschads Hauptkonkurrent, dem 67-jährigen Politiker Hossein Mussawi, haben mittlerweile insgesamt 20 Fanseiten auf Facebook erstellt, mit über 8.000 Fans. Die Gruppe “I bet I can find 1,000,000 people who dislike Mahmoud Ahmadinejad” hat bereits über 35.000 Mitglieder.

Facebook im Iran? Das macht Sinn, denn 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahren. Viele von ihnen sind geradezu verrückt nach neuen Technologien. Sie stellen das Gros der 21 Mio. Menschen, die Internetzugang besitzen und sich intensiv in Communities, in Foren oder über Blogs austauschen.
Update: Mittlerweile hat die iranische Regierung den Zugang zu Facebook blockiert! Ein Beitrag zum Thema findet sich auf CNN.com.


