
Videodialog, öffentlich-rechtlich
Donnerstag, 11.06.2009 | Maik BohneDas Internet steigert einen Trend, den wir spätestens seit “Deutschland sucht den Superstar” auf breiter Bühne kennen. Das neue mediale Credo heißt: Du kannst im Mittelpunkt stehen! Du kannst berühmt sein! Jederzeit, über jeden Kanal. YouTube feiert diesen Fetisch des Ich genauso wie die sozialen Netzwerkseiten.
Nun hat das ZDF die Chance genutzt, das Casting-Format auf die politische Bühne zu heben. “Ich kann Kanzler” heißt es am 19. Juni auf dem Zweiten. Sechs Kandidaten haben sich durch Video- und Promi-Auswahlsysteme gekämpft, um auf der großen TV-Bühne ihr rhetorischen und visionäres Talent beweisen zu dürfen.Wir sind gespannt auf den Sieger oder die Siegerin! Ein Praktikum im Bundeskanzleramt ist im Preis enthalten - neben Ruhm und Ehr, versteht sich.

Substantieller ist da ein anderes, gerade erst an den Start gegangenes Videodialog-Format des ZDF in Zusammenarbeit mit YouTube und dem Deutschen Bundestag. Auf dem OpenReichstag-Kanal stellen politisch engagierte Menschen Fragen, die die Community im Crowdsourcing-Verfahren beantwortet. Jürgen Trittin hat den Anfang gemacht mit der urgrünen Frage: “Was sollen wir mit dem Atommüll machen?” Bisher gab es 13 mehr oder minder schlüssige Antworten. Es bleibt abzuwarten, ob das Format zündet. Eines ist aber sicher: Basisdemokratischer Videodialog wird immer wichtiger.


